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Jahresthema 2021

Jahresthema 2021: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen“ Joh 8, 32

„Ihr werdet die Wahrheit erkennen“, so lautet unser Jahresthema.

Zunächst einige Vorbemerkungen.

Es gibt in der Bibel verschiedene Textformen.

Es gibt die Gleichnisse in den Evangelien; es gibt Anweisungen und Ermahnungen in den Paulusbriefen; es gibt geschichtliche Erzählungen im Alten Testament.

Was wir hier haben, ist eine Verheißung. Was ist eine Verheißung?

Im Wörterbuch heißt es „Eine Verheißung ist eine ernsthafte, feierliche Ankündigung von etwas Besonderem. In der Bibel ist damit „eine von Gott in feierlicher Form gegebene Zusage über ein künftig in der Geschichte sich verwirklichendes Heil“ gemeint. Das heißt: Gott selbst spricht die Verheißung aus:


Noch etwas ist bemerkenswert:

Manche Verheißungen geben ein Versprechen ohne Vorbedingung. So sagt Gott zu Noah: „Nie mehr werde ich die Erde verwüsten“ 1 Mo 8, 21 – ohne Vorbedingung.

Die meisten Verheißungen sind jedoch an eine Bedingung geknüpft.

Sie haben dann die Form: „Wenn – dann“ oder genauer: „Wenn ihr … , dann werde ich …“.

So auch unser Jahresthema. Der Text lautet nämlich im Zusammenhang:

Jesus sagte nun zu den Juden, die zum Glauben an ihn gekommen waren: Wenn ihr in meinem Worte bleibt, seid ihr wahrhaft meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien.

Die Bedingung ist: Wenn ihr in meinem Worte bleibt. Was heißt das?

In Jesu Worten bleiben heißt: Hingehen, Hören, Lesen, Nachdenken, auch Diskutieren…

Als gutes Vorbild fallen mir da die Juden aus der Synagoge in Beröa ein, von denen in der Apostelgeschichte im Kapitel 17 geschrieben ist. „Sie nahmen die Botschaft mit großer Bereitwilligkeit auf und studierten täglich die Heiligen Schriften, um zu sehen, ob das, was Paulus sagte, auch zutraf.“ (Gute Nachricht Bibel)

Gehört die regelmäßige Schriftlesung zu meinem geistlichen Leben dazu? Achte ich auf Gottes Wort im Gottesdienst, tausche ich mich über Gottes Wort aus in einer Gruppe, z. B. beim Bibelteilen?

Man darf nicht verschweigen, dass die Bedingung, die hier - oder auch bei anderen Verheißungen - genannt wird, durchaus eine Herausforderung darstellt und z. T. einiges an Aufwand und Mühe oder im Extremfall eine Lebensentscheidung erfordert.

Die Verheißung, das Versprechen umfasst dreierlei:

Wenn man diese drei Versprechen so betrachtet, könnte man sich fragen: Ist eine Verheißung eigentlich immer etwas Gutes? Ist das, was Gott verspricht, für mich hilfreich?

Zunächst: Die Verheißungen sagen auch etwas über Gott selbst aus.Er meint es gut – er will unser Heil;Er schenkt uns auch die Kraft, die Bedingungen zu erfüllen;

Er bindet sich an sein Wort. 2 Kor 1, 20: Jesus Christus „ist das JA zu allem, was Gott verheißen hat.“

Das Versprechen Gottes an uns ist, dass wir die Wahrheit erkennen sollen.

Was heißt das?

Was ist Wahrheit? So fragt Pilatus, als Jesus vor ihm steht und sagt: „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege.“ Joh. 18, 37

Ein Wörterbuch sagt: Wahrheit ist „die Übereinstimmung von Aussagen oder Urteilen mit einem Sachverhalt“.

In den Schriften des alten und neuen Bundes ist die Wahrheit nicht nur eine Eigenschaft von Aussagen oder Informationen, sondern auch von Handlungen und von Personen. Es bedeutet dann: echt, in sich stimmig, ganzheitlich, zuverlässig, dauerhaft.

Ist die Wahrheit in diesem Sinne auch alltagstauglich?

Wenn ich die Wahrheit erkannt habe und die Wahrheit in mir ist, dann bedeutet das:

Wenn ich die Wahrheit erkannt habe, bin ich nicht mehr „wie eine Meereswoge, die vom Wind hin und her getrieben wird“ (Jak 1, 6), sondern ich habe einen Maßstab, mit dem ich z. B. auch gesellschaftliche Entwicklungen bewerten kann.

Dies ist besonders in dieser Zeit hilfreich, wo es so vielen seltsame Verschwörungstheorien gibt, wie Querdenker, QAnon u. a.

Ein letzter Aspekt:

Die Wahrheit will gepflegt sein. Sie will mutig ausgesprochen werden, ohne Furcht, in Liebe. Sie will gehört und angenommen werden. Sie will getan werden.

„Ich habe keine größere Freude, als zu hören, dass meine Kinder in der Wahrheit wandeln.“ steht im 3. Johannesbrief Vers 4. Dies können wir auf Gott selbst anwenden: „Ich - Gott - habe keine größere Freude, als zu hören, dass meine Kinder in der Wahrheit wandeln.“

Machen wir Ihm diese Freude!

Zum Schluss:

Ihr kennt das Kirchenlied „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ (Gotteslob Nr. 424). Darin hat Johann Georg Neumark, 1657 das Thema „Verheißungen“ aufgegriffen und ins Versmaß gebracht. Es heißt da:

Wer nur den lieben Gott lässt walten
und hoffet auf ihn allezeit,
den wird er wunderbar erhalten
in aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott, dem Allerhöchsten, traut,
der hat auf keinen Sand gebaut. ...

Sing, bet und geh auf Gottes Wegen,
verricht das Deine nur getreu
und trau des Himmels reichem Segen,
so wird er bei dir werden neu.
Denn welcher seine Zuversicht
auf Gott setzt, den verlässt er nicht.

Amen.

Günter Heußen



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